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Menschen, die die Welt verändern: Emma González

Emma González ist DAS Gesicht einer jungen politischen Bewegung, die stärker ist als alle anderen seit Vietnam. Und sie schreibt gerade Geschichte. Emma ist eine der Überlebenden des Parkland-Schulmassakers. Sie schweigt nicht. Sie ist laut. Sie beeindruckt. Sie bringt Menschen auf der ganzen Welt dazu mit ihr zu weinen.

Am 14. Februar 2018 wurden bei einem Amoklauf 17 Menschen in der Marjory-Stoneman-Douglas-Schule in Parkland, Florida getötet und weitere 15 verletzt. Das Massaker war seit Trumps Amtsübernahme im Januar 2017 der zwölfte Schul-Vorfall in den USA, bei dem mindestens drei Menschen durch Waffengewalt starben. Seit dem Amoklauf an der Sandy Hook-Grundschule 2012 (der drittschwerste der USA) fielen an mehr als 240 Schulen und Colleges Schüsse, 139 Menschen starben, sehr viele wurden verletzt.

„Kämpft für euer Leben, bevor das der Job von irgendjemand anderem wird!“

Emma rückte erstmals kurz nach dem Amoklauf in den Fokus der Öffentlichkeit. Die 18jährige Schülerin beeindruckte bei der Gedenkveranstaltung drei Tage nach dem Massaker in Parkland mit starken Worten:

„Wenn der Präsident mir ins Gesicht sagt, dass das eine schreckliche Tragödie war […] und dass man nichts tun kann, frage ich ihn, wie viel Geld er von der National Rifle Association (NRA) bekommen hat. […] Ich weiß es: 30 Millionen Dollar.“

Kurz darauf gründete Emma González mit Mitschüler*innen die Organisation „Never Again MSD“. Die Schüler*innen fordern unter anderem ein völliges Verbot von halbautomatischen Waffen in den Händen von Zivilisten und eine generelle Heraufsetzung des Alters bei Waffenkäufen auf 21 Jahre, eine umfassende Überprüfung jedes potenziellen Waffenkäufers/jeder Waffenkäuferin sowie eine Beschränkung des Fassungsvermögens von Waffenmagazinen. In den wenigen Wochen seit der Gründung wuchs die Organisation zu einer politischen Bewegung an. Die Schüler*innen haben sich organisiert, sie sind laut geworden, reisen durch’s Land, schreiben Manifeste, geben Interviews, erhalten professionelle PR-Beratung und Geldspenden.

Und sie machen noch einen bedeutenden Schritt mehr: Sie vernetzen sich. Sie arbeiten mit Überlebenden anderer Schulschießereien zusammen sowie mit Opfern von Bandenkriminalität und mit Angehörigen der Opfer von Polizeigewalt.

March for our Lives

Am Samstag, den 24. März 2018 fand in Washington die größte Demonstration seit Vietnam statt – organisiert von den Schüler*innen der „Never Again MSD“. Allein in Washington nehmen 800.000 Menschen an der zentralen Demonstration teil. In New York kamen rund 150.000 Menschen zusammen.

Redner*innen, von denen die meisten zwischen 16 und 18 Jahre alt sind, verlangten Reformen der Waffengesetze. Die Forderungen sind unterschiedlich – manche wollen halbautomatische Waffen verbieten, andere verlangen, dass Politiker*innen auf die Geldzuwendungen der Waffenlobby-Vereinigung NRA verzichten (das trifft auf fast alle Republikaner*innen sowie eine paar Demokrat*innen im Kongress zu.).

Beim „March for our Lives“ in Washington trat Emma González als letzte Einzelrednerin auf die Bühne und zählte die Opfer ihrer Schule auf. Danach schwieg und weinte sie kaum auszuhaltende 6 Minuten und 20 Sekunden – solange hatte der Amoklauf gedauert.

Im November stehen die Kongresswahlen an und viele der Jugendlichen dürfen zum ersten Mal abstimmen. Somit bauen sie gerade einen großen politischen Einfluss auf. Ich bin gespannt, was wir noch von dieser starken jungen Frau und all den anderen engagierten jungen Menschen hören werden.

Ich hoffe, sie werden die Welt verändern.

Sieben Tage nach dem Parkland-Massaker lehnte das Repräsentantenhaus von Florida mit 71:36 Stimmen ein (ernst zu nehmendes) strengeres Waffengesetz ab. Donald Trump spielte während der Demonstrationen am 24. März Golf.

Janina Bartmann

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